Welcome to Vienna! Eine waschechte Kaffeefahrt

18April2017

Erst a mal aber willkommen an board. Ihr glaubt´s nicht was die roten Damen und Herren der Austrian Airways zum boarding spielen. Ja, aber sicher, klassische Musik. Geh bitte! Wo gibt es denn sowas? Sicherlich aber entspannter als eine Horde Didgeridoo spielender halbnackter Ureinwohner, die einem sicherlich ordentlich die Ohren durchblasen – ah nein, das war ja Australien, sooorry.

Auf jeden Fall lauscht man dann während dem Boarding den klassischen Tönen Mozarts und ist fast versucht mitzusummen, bis dann auch der letzte Herr und die letzte Dame Ihren Platz am Fenster mit extra großem Handgepäck gefunden und eingenommen hat. Ich bin ja schier vom Glauben abgefallen. Und das dann an Ostern. Geh bitte! (Das ist mein neuer Lieblingsjingel und ich liebe es! Urgeil!) Überhaupt reist die ganze Menschheit nur noch mit Handgepäck und das eigentlich praktische davon geht an Zeit flöten. Da hilft auch keine Zauberflöte im Hintergrund. Aber der Gernodddd und seine Kollegen haben uns ursicher und urnett in Empfang genommen und erklärt: Die Handgebäggstügge (Es ist eben doch alles sehr kulinarisch und ja im Flugzeug eh, bei der Musik, also bitte!) sind dann am Empfang wieder abzuholen. Bitte gerne.

Ich könnte den ganzen Tag lang österreichisch redenden Menschen zu hören, denn es klingt immer urnett und irgendwie, als würde man ein bisschen langsamer leben, denn es wird eben scho immer mal ein Wort länger gezogen und es ist eh fein das der Sprach-oudbud seinen fogus auf die d´s und g´s hat. Geh bitte, ich bin hin und weg!

Aber zurück zu den Damen und Herren im Flugzeug. Es ist alles rot. Nicht nur der Tomatensaft, den ich erstmals kostenlos zum Trinken angeboten bekommen habe – was eine Auswahl, ehrlich wahr. Es ist alles rot. Vom Schuh über den Rock bis zur Mütze. Alles rot. Auch die Strumpfhose. Wie der Guido jetzt sagen würde: das tut ihr nichts Gutes. Nee, ehrlich nicht. Dem Gernoddd auch nicht. Aber gut.

Sowieso ist in Österreich alles rotweiß. Da ist jemand stolz aufs Land. Nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden. Straßenbahnen, Stewardessen, Zebrastreifen, alles rotweiß. Der Radweg? Der ist grün. Dödömm.

Im Flugzeug gibt es sonderbare Menschen. Neben mir meinte ein Herr mit Hut er müsse sein Buch LAUT! vorlesen. Geh bitte, muss das sein? Eine Stunde und zwanzig Minuten theatralisches Geflüster von links. Ich hätte es ihm fast über die Ohren gezogen, sein schieres Buch. Hinter einem wird die ganze Zeit diskutiert, wie denn das Wetter wird. Ich rate: schaut einfach raus. Aus die Maus. Sie diskutieren eine ganze Weile, bis Reisegruppe Wetterfrosch zumindest schon mal festhält: Also zu den Brexit-Eulen fahren wir definitiv nicht! Ist vielleicht auch besser, würde ich am liebsten einwerfen, bei dem Wetter… Aber ich lausche weiter den Klängen von Mozart und bin mir beim (zweiten) Boarding doch nicht mehr so sicher, ob es entspannend oder doch eher nervenaufreibend wirkt. Ich brauche erst mal einen Tomatensaft. Das wird mir alles zu bunt. Bleiben wir bei rotweiß.

Apropos rotweiß. Pommes Schranke gibt es hier nicht. Denn es gibt keine Pommes. Zu dem urguten Schnitzel gibt’s Erdäpfelsalat (ka schaaß!) und sonst nichts. Aber eh urfein! Wenn dann gibt es noch Würstelbuden. Und die, meine Lieben, verkaufen alles außer Wiener Würstchen. Da bin ich extra aus Frankfurt angereist und dann finde ich was vor? Frankfurter! Geh bitte, verarschts doch jemand anders!

Das geile an Wien ist, man ist nie offside. Es gibt immer irgendein Café, Restaurant, eine Boutique oder sonst etwas, in das man am liebsten direkt rein stürmen wollen würde, es gibt nicht ein Mal eine Straße in der nur spröde öde Häuser stehen, sodass man mal eine Sekunde durchatmen kann und sich von der blenden Schönheit der Stadt erholen kann. Wien ist eh urfein. Überall steht ein Haus, das gut ausschaut, das irgendeine Figur oben drauf hat, die man sich bestaunen möchte, eine Fassade, dass einem die Lade runterfällt, oder es ist einfach nur groß. Groß können die gut die Wiener. Prachtbauten an Prachtbauten. Da wollte einer schöner, besser, roter als der andere sein. Genauso ist es auch bei den Cafés. Ob Central, Mozart, Alt Wien, Frauenhuber, Prückel oder Diglas – jedes für sich wunderschön und eh urfein. Man kann gar nicht so viel essen, wie man in Wien könnte. Eine Tragödie, die mit lautem Knall endet.

Von Sacher bis zum Kaiserschmarrn probieren wir uns durch die gesamte Karte. Das verwunderlichste ist, dass der oder die Ober gar nicht so scheiße unfreundlich sind, wie erwartet. Geh bitte, die machen auch nur ihren Job! Ich find die Wiener eh urfreundlich und offen, in meinen ersten Stunden sprechen mich gleich zwei Leute an, zuerst weil wir durch den Regen urnass wurden und zweitens, weil ich urverpeilt am Stephansdom war. Ich wurde geographisch und touristisch aber besser, woran man weiß, dass man es richtig macht? Man trifft die gleiche französische Reisegruppe drei Mal an verschiedenen Orten (ja, ohne ihr hinter her zu laufen). Und am Wochenende hatte ich eh meine urprivaten Audioguide und Insider dabei, da war eh alles urfein. Die Liste der Köstlichkeiten konnte leider nicht vollends abgebaut werden, da zu lang.

Die barbarischen Ursünder in Wien sind eh die, die meinen, sie müssen sich einen Kaffee bei Starbucks holen. Da fühl ich mich ja schon als nicht-Wiener beleidigt. Denen gehören erst mal die Geschmacksknospen weggeschossen. Und zwar auf ewig. GEH BITTTTE! Da dreht sich ja der Leopold im Grabe rum!

Und die Sissi eh! Widererwartend ist die in Wien gar nicht so die Nummer eins, was Museen, Galerien, Plätze, Straßen und alles angeht, sondern die gute Maria-Theresia, die ungekrönte Kaiserin, die, ohne schaaß!, echt einiges durchgesetzt hat. Die Folter wurde abgeschafft, die Schulpflicht wurde eingeführt (für manche gleicht sich das sicherlich somit wieder aus) und neben dem Krieg führen hat sie noch 16 Kinder großgezogen. Was eine Maschine. Da kann der Franz Joseph (der FRANZ! von der SISSI!) auch mal ein 20 Meter hohes Denkmal bauen (das steht wiederum zwischen zwei immensgroßen, urschönen Gebäuden, die Museen sind, das Praktische dabei: sie sind identisch. Man kann also mal kurz verschnaufen und muss nur zur einen Seite schauen).

Ich bin platt, von all den Gebäggstüggen (den Plundern und den Kuchen, und dem Handgebägg), von den großen, schönen, fast immer weißen Häusern, der Atmosphäre und einer urschönen Zeit, kurzum: bah-bah for now, ich komme wieder!

 

Und jetzt gibt es erst mal eine Paar Wiener! Mit rotweiß und Pommes!

Miniature Istanbul

15Feb2017

Eigentlich wohne ich in der Frankfurter Innenstadt, aber es kommt mir doch so vor, als wäre ich in miniature Istanbul gelandet. Die Dönerbudendichte hier ist so hoch wie die Taubeninvasion in Amsterdam – weit und breit Pide und Yufka. Vom französischen Mitbewohner bekommt man schon gesagt, los lass uns deutsch Essen gehen. Zwei Minuten später isst man den Supremedöner bei Metin. Jaja. Dabei ist das doch nur Integration und braun nur das Dönerfleisch! Nichts Schlimmes also.

Hier ist man mittendrin, statt nur am Rande. Und dass nicht nur geographisch. Auch geistlich. Und offen ist man auch. In der kurzen Zeit wurde ich schon oft angesprochen, wieso ich denn in das hässliche Frankfurt kommen würde, wenn ich doch aus der prächtigen Stadt namens Heidelberg komme. Gefühlt kommt da nicht nur die schwedische Königin her, nein, es hat auch mindestens jeder einen Verwandten oder zumindest einen Feldhamster, der da her ist. Allseits bekannt. Ist ja aber auch echt nett da, ne? Und dann stutze ich immer kurz, denn ich finde Frankfurt gar nicht so hässlich. Ehrlich nicht. Auch wenn Oma das so findet und am Telefon immer sagt: „Bin ich immer froh, da wieder raus zu sein!“ Jaja, hier wird auch nur mit Wasser gekocht. Und außerdem, es ist auch immer Polizei gleich um die Ecke, die wird schon aufpassen, dass nichts passiert, die deeskaliert dann immer, so ein zwei Mal am Tag. Letztens standen sie mit vollem Einsatz vorm Waschsalon – bin ich froh, dass unsere Maschine geht.

Aber manche Bilder sind schon krass. Da sind die offiziellen Spritzenausgaben für die Abhängigen, wenn man gerade auf dem Weg zur Mittagspause ist. Und der Obdachlose vor der Bank, der direkt unter den dicken Anzeigen für die fetten Immobilien ganz vorne am Main schläft. Die Gegensätze hier liegen so nah beieinander. Aber dann ist da auch die Bäckertüte morgens auf dem Schlafsack des gleichen, schlafenden Mannes, die ihm irgendwer hingelegt hat, einfach, weil er oder sie es eben hat. Das ist doch auch schön. Und überhaupt ist die Stadt voller Kontraste. Da ist an der einen Ecke die Bar, deren Eingangstür fast aus den Angeln fällt und in der alle Stühle festgeschraubt sind, damit es keinen (oder weniger Stress gibt), und dann ist da fünf Meter weiter, eins nach dem anderen, glänzende Hochhäuser, in denen die Geschäfte von morgen entschieden werden.

Also nicht auf Anhieb so schön wie Heidelberg, aber eben doch, finde ich. Ein Streifzug am Fluss mit seinen 80.000 Brücken und dem Eisernen Steg, das hat schon Charme. Ist irgendwie auch cool, weil hinten dran gleich eben diese Wolkenkratzer aufragen. Und dann gleich um die nächste Ecke kommen ursüße, uralte Fachwerkhäuschen, bei denen extra viele Fensterchen eingebaut werden, um für jedes extra Geld zu kassieren, wie ich letztens erst gelernt habe. Es ist einfach international, bunt gemischt, offen und anders, als vieles, was ich bisher gesehen habe. Manchmal läuft man gefühlt ewig durch die Gegend und man hört kein einziges Wort deutsch – das geht einem sonst nur in Sachsen so.

Witzige Wortanbahnungen gibt es aber auch hier. Heute bei einem recht attraktiven Mann gesichtet, der jedoch mit „Hund“ unterwegs war. Also erstens Hund, und zweitens „Hund“. So eine kleine Flitzpipe, die man, wenn man auf flauschige Kissen steht, leicht auf der Couch mit dem Hintern erdrücken würde, wenn man nicht Obacht gibt. Aber da meinte er doch echt, nachdem er drei Mal an der Leine zog und nichts passierte: „Komm Karl.“                              KOMM KARL! - Karl! Das ist doch kein Hundename. Genauso wenig wie Diethelm ein Babyname ist. Wie kommt man denn auf die Idee, seinen Hund KARL zu nennen? Oder noch viel schlimmer, sein kleines, süßes, weiches Baby einfach mal Diethelm zu nennen. Ich bin dafür, dass Herr Hund seinen Hund Hund nennt, und Diethelm und Hund weitergehen. Also mal ehrlich. Aber vielleicht war ich einfach noch nie in der Situation, in der es dazu kommt, dass man seinen Hund Karl nennt. Oder sein Baby eben Diethelm. Wer weiß.

Zweites witziges Unterfangen in der big City ist das Phänomen, der auf den Boden geworfenen, von der Nacht tatsächlich müde aussehenden Krawatten, die auf dem Gehweg dahingerafft sind. Weiß nicht, ob das hier so ein Part des Walk Of Shames am frühen Morgen ist, aber habe bereits zwei gesichtet. Sehr amüsant. Vielleicht hatte Hund seine Leine satt und Karl, äh Diethelm, wollte auch ablegen….

Und dann der Café! Der wird hier nicht nur groß, sondern auch mit c – a – f – Apostrophe - e geschrieben und nicht mit k – a – f – f- e - e. Der ist hier samtweich und Balsam für die Seele, ein hoch auf die Ecke an der alten Brücke und das Café, gelobt seist du, nicht umsonst hast du ein heilig in deinem Namen. Das ist der kleine Bruder des Drop Coffees, und ich glaube deswegen bin ich auch so verliebt. Es ist wunderbar, es riecht alles nach Frühling und erwachen! Ich kann die Farben förmlich schmecken. Der Frühling ist im Anmarsch!

Days in Dresden

15Mai2016

An diesen Tagen fällt es einem schwer nicht verliebt zu sein.

Verliebt in Dresden zu sein. Die Sonne macht es einem schwer, die glitzernden Stellen der Stadt zu übersehen. Übersäht von schönen Stellen und Plätzen, an denen man sich niederlassen möchte, um kurz zu verweilen. Die Elbe ist ein langes Band. Ich mochte schon immer Städte, in denen ein Fluss sagt, wo es lang geht. Heidelberg. Oder ein Meer, das einem Grenzen und Möglichkeiten aufzeigt, aber immer einen Horizont vor zu weisen hat. Beg Meil. Oder alle paar Zentimeter einen See, in den man sich fallen lassen könnte und Unergründliches finden würde. Stockholm.

Ich verliebe mich sehr schnell in schöne Städte. Das finde ich aufregend. Bei Dresden hat es irgendwie länger gedauert. Das ist eine Stadt, die im Sommer und im Stillen schöner ist, als im Winter und mit offenen Ohren. Es ist eine kleine Herausforderung, die man bestreiten muss, ein kleiner Berg, den man bezwingen muss. Und dann sieht man es: nicht die Altstadt mit den Kieselsteinwurf entfernten Sehenswürdigkeiten, bei denen man denkt, es lohnt sich nicht, in den roten Doppelstockbus zu steigen und sich ganz vor in die erste Reihe zu kämpfen. Doch. Es lohnt sich. Und dann sieht man es: die in Sonnenschein getauchten Schönheiten, die kleinen Kleinigkeiten, die Brücken und Wiesen, die Buchten und kleinen Orte, an denen man den Gaffe und n´Radlr genießt. Die verhippten Bänke in der Neustadt. Den Burgerduft und den Charme der Aussicht. Es braucht. Aber wenn es da ist, ist es wunderbar.

Ich vermisse dennoch die Berge. Ich vermisse die Höhen und die Tiefen. Ich vermisse es oben zu stehen und hinab zu blicken und zu sagen: Mensch bist du schön.

Die letzten Tage war ich in good old Heidelberg. Ich hätte es am liebsten angeschrien und gesagt: verdammt, was bist du so hübsch? Verdammt, einpacken will ich dich, mit deinen Hügeln und Wäldern, mit deinen grünen Teppichen voll Laub und deinem schönen Schloss.

Hier geht man in den Park. Da gibt es lange Alleen und viele Bäume, aber keine Hügel. Eventuell kommen einem auch noch kleine schwarz, gelbe Männchen entgegen die rufen: eine Straße viele Bäume, ja, das ist eine Allee. Und dann biegen sie ab, in ihr geliebtes Stadion, mit dem sie jetzt volle Kanne am Kabel ziehen und den Aufstieg feiern – ah ne, Dynamo, da brauchste ja kein Kabel…

Und ändå, die Südländer heißen einen mehr willkommen. Sind offener, nicht so „du – darfst – nicht – über – die – rote – Ampel – gehen, – niemals! – verklemmt“. Da liegen die Mauldäschle auch nicht in der Delikatessenabteilung. Und es gibt Auswahl. Oh Maultaschenkühlregal, i miss u!

Dresden hat, keine Frage, seine Reize. Man braucht nur etwas, um sie heraus zu kitzeln.

Ich geh schnell mal über rot und die Straße runter, die Allee entlang, vielleicht ist hinter den Bäumen ja ein versteckter Maultaschenberg…

 

 

 

 

Being Back In The Bubble

16März2016

Nordluft schnappen, um das Herz zu öffnen. Das klappt immer wieder gut. Auch wenn dabei sehr viel in einem hochkommt, das einen mit einem lächelnden und einem weinenden Auge auf das jetzige, damalige, zukünftige Leben blicken lässt.

Melancholie schwängert die kalte Luft und der eisige Wind rüttelt an dir, in dir, alte Dinge wach. Man möchte zu oft wieder zurück. Weil es einfach einfach wäre. Einfach wäre, wieder in alte Muster zu fallen. Morgens aufstehen, Kinder weg bringen, Freiheit haben, Kinder abholen, kochen, Freunde treffen, ins Bett gehen, am nächsten Tag das gleiche und am Wochenende für sich sein dürfen. Diese unaufgeregte Sicherheit verspüren - alles ist gut, du musst nur eine Woche weit denken, nichts wirklich planen, es passiert dir nichts. Diese Stockholm Bubbla funktioniert ein bisschen zu gut, um wahr zu sein.

Aber es wird mir auch schnell klar, dass sich die Welt auch in Stockholm weiter dreht. Dinge verändern sich, manches bleibt dennoch leicht gleich. Aber es wird nie wieder so sein wie es war. Nicht alles zumindest. Auch wenn man es sich so sehr wünscht, sich verbiegt. Das ist das eigentlich traurige. So sehr man es auch will, man kann nie wirklich wieder dahin zurückgehen, wie und wo man mal gewesen ist. Mit all den Dingen und Menschen, Schätzen und Lieblingen, die man gewonnen hat. Es geht einfach nicht. Und das ist gut so. Irgendwie. Es muss auch weiter gehen. Neues kommt. Und das kann noch besser werden. Und das alte kann immer noch gut, besser, am besten bleiben. Das schönste ist, man kann immer wieder eintauchen, in diese Traumblase, immer wieder zurückkehren. Und man wird feststellen, Dinge bleiben auch. Freundschaften. Orte. Eigenschaften. Die immer so sein werden. Egal wo man auf Dauer sein wird. Das Leben meint es gut.

Die Schweden bleiben ein wundersames Volk. I m still in love. Und sie sind immer noch in ihre Kreditkarten und Kreditkartenlesegeräte verliebt. Es geht schon soweit, dass man kaum noch mit Bargeld bezahlen kann – und darf. Gesellschaftliches Mobbing an alle, die mit Bargeld ankommen, und wenn dann bitte auf gar keinen Fall auch noch Münzen, also ehrlich, dann lieber die gute Astrid und ihre Pippi, die jetzt seit neustem auf dem Scheinchen zu sehen ist. Frage mich, wieso die das überhaupt neu aufgelegt haben. Geldfälscherei ist in Schweden sicherlich ein maues Geschäft. Wenn man da mit vier Koffern voll Geld ankommt um sein Häuschen oder einen Berg voll Käse kaufen will, schauen dich sicherlich alle sehr entrüstet an und fragen ob du noch ganz tejt im huvud bist. Das Sondereinsatzkommando kommt bestimmt auch gleich mit ihren Volvos um die Ecke dazu. Wird man dann ins Gefängnis oder in die Psychiatrie eingewiesen? Ich tippe auf letzteres. Solch eine Bargeldhassende Nation gibt es selten….da denken die bestimmt, man ist nicht mehr ganz koscher. Kleine Anmerkung hier für alle, die einen schwedischen Millionär suchen, weil … nun ja, es sich einfach anbieten würde, man muss auf schwedischem Boden momentan alles mal zehn rechnen, also es geht nicht mehr um Millionen, sondern Billionen.

Stockholm ist und bleibt nicht klein Paris. Und dafür werde ich es immer lieben. Es ist die Aura an Strandvägen und der Flair an Mariatorget, der dich umgeben muss, damit du dich in der Stadt willkommen und angekommen fühlst. Es geht nicht um Sightseeing, es geht um Heartfeeling. Es muss pumpen, wenn du an Östermalmstorget vorbei und die Kungsgatan rauf läufst.

Es ist und bleibt dunkel in den jungen Monaten des Jahres, aber dabei ist es so schön. Mit all den Lampen in den hohen Fenstern und den gemütlichen Ecken in den Cafés und Häusern. Wenn ich mir ein Haus baue und es dann habe, und ein Äffchen, und ein Pferd, dann miete ich mir einen großen Container und kaufe in Schweden ein. Meine Güte will man da das Geld förmlich in die Luft schmeißen und alles mitnehmen. Ich muss die Tage anbauen. Habe zu wenig Platz für alle Dekoartikel, Kissen und Bilderrahmen dieses Schwedens.

Aber erstmal abwarten und Kaffee trinken. Das macht man auch noch rund um die Uhr, egal ob Filter, Drop oder Vollautomat, Hauptsache schön cremig und heiß und viel Koffein. Es ist zum Baden gehen! Rein legen und in sich aufsaugen will man das. So gut schmeckt das! So anders. Und wenn es an dem Zimt liegt, den sie überall ran hauen, sogar ans Knäckebrot. Nam nam nam.

Ich bin und bleibe verliebt.

Auch wenn die Zeit vorbei ist. Jedes Mal denke ich

- Mensch, war das grymt.

Eine Reise, Die Ist Lustig! Eine Reise, Die War Schön!

13Sept2014

Manchmal braucht es Menschen im Leben, die einem in den schönen Bobs treten. Und zwar gewaltig. Ich bin sehr froh, solch einen gefunden zu haben. Tack för det.

Vielleicht ist es der Lauf der Dinge, der Sachen schleifen lässt. Vielleicht ist es Faulheit. Vielleicht ist es auch der innere Schweinehund, der sich lieber in der Angst vor Allem und Neuem und auf dem Boden der Unlust sult, als sich zu auch nur zu irgendetwas, das mit Blogg zu tun hat, überwinden lässt.

Aber nun denn, ich bin ja ein großer Verfechter der Wurst, und da die zwei und sonst alles auch mindestens eins hat, schreibe ich nun ein Ende. (Vielleicht auch nur ein vorläufiges, denn ich bin ja die wuRst an sich und entschließe mich vielleicht doch dazu, eines Tages noch mal was zu schreiben. Man weiß es nicht.)

Viellicht ist es ganz gut, ein wenig Abstand zu gewinnen. Abstand auf Vergangenes, um Resonanz zu ziehen. Momentan hab ich dolles Vermissen. Vermissen tue ich viel. Viele. Eigentlich alles. Vor allem aber Routine. Routine war was schönes am Au Pair sein. Routine des Alltags, der Leute, des Essens ( jaaaa, hallo Brokkoli! Du schon wieder hier? Sag bloß!), Routine der Stadtgänge und vor allem der Leute. Leute, Leute, Leute. Leute machen Leute. Aber die sind jetzt so zerlaufen wie ein Stück Butter in der Sonne. Dagegen kann man nicht so viel machen, außer sich zusammenreißen und weiter machen. Ist schwer, aber so.

 

Wenn ich an meine Reise zurück denke, dann mache ich nur: hach. Ist schwer im Nachhinein noch die genauen Gedanken der Städte aufzuschreiben und deswegen könnte ich meinen kleinen Kopf auch gerade gerne gegen etwas Hartes bollern, aber bringt ja alles nichts. Beim nächsten mal werde ich es schnurstracks durchziehen. Woran ich mich aber noch genau erinnern kann, ist die Ansammlung der Dinge, über die man ganze Bücher hätte schreiben können:

 

  • Öffentlicher Nahverkehr und ihre Preise (Deutsche Bahn macht es sich einfach ganz leicht und lässt alles ausfallen... kommt man dann gar nicht auf die Idee das mal zu testen.)

  • Öffentlicher Nahverkehr und seine schönen, weniger schönen und ganz besonderen Tickets, als auch die Ansagen der Tonbandstimmen im Bus/der Bahn. Favorite: „In ok outchecking mit de OV Chipcard is okay.“ (Den Haag, my lovely place!)

  • Das Verhalten der Bevölkerung und Ausländischer an Fußgängerampeln (Schweden eindeutiger Spitzenreiter im „einfach immer über rot laufen“, letzter Platz geht hier wohl an Brüssel – Spießer!)

  • Die Verfügbarkeit von Steckdosen und kostenlosem Internet in Cafés, an Flug/Bahnhöfen, als auch überhaupt. (Schweden, du är bäst!)

  • Qualität der Touristenbüros anhand von Toiletten, kostenlosem Internet, Strom und dem Abstellen des Gepäcks, einfach alles, was man schnorren kann. Hähä. (Auch hier ist einfach Schweden unschlagbar, Gotland! Brüssel auf Platz zwei!-bei der Stadt auch echt von Nöten *lach*)

  • ganz wichtig bei Backpackern: günstiges und schnelles Essen: Cheeseburger und deren Preise. Man glaubt es kaum, aber es variiert!

  • Taubenpopulation. Ganz wichtig. Die Dinger sind überall und überall nerven sie. Ganz besonders in Amsterdam. Das war klein Venedig. Meine Traumvorstellung an meine Reisebegleitung, die absolute Taubenhasserin ist: Flitterwochen in Venedig!

  • Geschmack und Preis von Pommes. Die waren in Amsterdam am besten (hießen da belgische Pommes, waren aber holländisch und die Besten! Die in Brüssel waren belgisch, aber echt nicht so prickelnd. (Tut mir echt leid, aber Brüssel war echt echt ne miese Stadt!)

  • Das wohlwollen der Stadt an die Touristen sich zu recht zu finden. Sowohl Pläne der Stadt als auch der U - Bahnnetze auf zu hängen. (Brüssel → mooop, error: not found.) Paris? Mais oui !!! Quelle question?! Da gibt’s kein Englisch. Warum auch? Ist doch total schick mir nichts dir nichts am Busbahnhof zu stehen und nichts zu blicken.

  • Den Grad der Kunst, als Stadt selbstsicher auf zu treten und den Leuten verkaufen zu können, man könne gaaaaaaaanz viel anschauen, obwohl es gar nichts gibt. Da steht dann unter den Top Ten Angeboten Sea Life. Hat ja anscheinend auch was …

 

Was ich meiner allerliebsten Reisepartnerin immer noch übel nehme: Wir sind doch tatsächlich nicht in die „Mini Europe Austellung“ gegangen, als wir die Möglickeit in unserem letzten Domizil Brüssel hatten. Echt mies. Hatte so Lust auf Sightseeing. Aber das könnte man mal den ganzen Asiaten und Co empfehlen. Ein Ticket nach Brüssel, Eintrittskarte in das Mini Europe Land und zack hat man echt viel Geld gespart. Das wäre nicht Europa in drei Tagen, nein das wäre auch nicht Europa an einem Tag, nein das wäre Europa in 2 Stunden! Haleluja! Darum geht es doch bei all dem Kram ...

 

Selbst nach sechs Wochen habe ich noch nicht wirklich alles verdaut. Es trudeln die entwickelten Bilder der Einwegkameras ein und bescheren einem schöne Momente voller Überraschungen. Da erinnert man sich dann auch mal daran, dass man ja Wurstessend an den Ufern in Uppsala saß. Es gibt so einfache Dinge, die es ausmachen. Herrlich.

 

 

6 Länder. 9 Städte. 23 Tage. 12 verschiedene "Betten". Unendliche Stunden in: Fähre. Zug. Bus. Bus auf Fähre. Auto. Rad. U Bahn. S Bahn. Achterbahn. Flugzeug. Unendliche Stunden in  schönen Städten. In Cafés. In Bars. Am Strand. Auf Bänken. Am essen. Am trinken. Am laufen. Am schwärmen. Am leben. Am weinen. Am lachen. Am Freude haben. Am vermissen. Am erfreuen. Am Spaß haben. Am leben. Tack för allt.

 

 

<3

Den Haag

17Juli2014

Alle sagen einem immer: War doch klar, dass dieser Trip nicht einfach wird. 

Mir ist schon bewusst, dass da was dran ist. Und vielleicht habe ich oder auch wir das ein bisschen verdrängt aber ich will mal gesagt haben; nur weil man weiß, dass es auch mal anstrengend werden kann, heißt das nicht, dass es, dadurch dass man es weiß, besser oder auch gleich saugut in dieser Situation ist. Ist es nämich wirklich nicht.

 

Situation war/ist folgende: die Rationen gehen dem Ende zu. Sowohl Nerven als auch frische Wäsche sind in diesem Moment rar. Das Geld muss erst noch auf die richtigen Karten überwiesen werden und überhaupt, wir sind einfach müde! Müd, feddisch und gabudd! Dienstag mittag fahren wir so halb schwarz mit den letzten Minuten unseres Tickets an den Amsterdamer Hauptbahnhof um von da den Zug nach Den Haag zu nehmen. (Ach, man muss vorher berechnen, ob man innerhalb der 60 Minuten ans Ziel kommt? Das wussten wir jetzt so aber nicht und überhaupt wollen wir doch nur nach Hause! Wo kommt ihr denn her? Germany! OHHH Congratulatiooons! ….das passiert in den letzten Tagen einfach immer. Immer Glückwunsch! Komm mir schon ganz komisch vor. Ganz bussy und fame. Aber es hilft, wir kommen dank des „deutsches Mädchen sein Bonusses“ durch die Schranken und zum Zug.)

Da wir so gerne laufen und das auch noch mit Gepäck, machen wir einen abendlichen Spaziergang zum Hostel. Am Strand. Beim Hafen. Wo genau? Keine Ahnung. In uns schwingt immer wieder diese Hoffnung mit, wenn wir jetzt um die Ecke biegen, erwartet uns bitte ein super Strand und ein sauberes Hostel. Die Requisiten und Schauplätze der New Kids Ära schreien uns aus jeder Ecke entgegen. Die Verwunderung, wie man auf so etwas kommen kann, schmälern sich von Meter zu Meter. Alles scheint so logisch und inspirativ auf einmal. Ist eben alles einfach „sooooo ein Feuerball. BUMM!“

 

Eins kann man sagen, wir sind in diesen Tagen mal wieder pseudo-luxury unterwegs. Wir nehmen unsere zwei (wir hätten auch zehn nehmen können, sind ja bescheiden) Schlüssel für das reservierte Zimmer/Raum/Aufbewahrungsetwas entgegen und mieten für schlappe zwanzig Euro  pro Person die Nacht einen Container mit acht Betten drin. Nicht das wir sie brauchen könnten, aber ist doch immer gut zu wissen, man könnte. oder nicht?! Im Preis inbegriffen ist sonst nichts … da hilft es dann auch nicht, dass man Schnitzel eingekauft hat wenn die anscheinend vorhandene Küche dann doch weg ist … war vielleicht auch „SO ein Feuerball. Bumm.“ Wenn man Glück hat und das richtige Örtchen findet, darf man den lokalen HotSpot mit benutzen. Aber auch nur wenn du dich beeilst! 

Aber der erste Eindruck trügt manchmal auch. 

Am nächsten Morgen haben wir zwar immer noch 2/8 Betten in einem sonst leeren Raum ohne Küche und sau schlechtes Internet, aber dafür kann man dem Ausblick beim Frühstücken nicht böse sein: blaues Meer. 

Um uns herum chillen die Hippies dieser Zeit und Tony Hawk Number 5 übt seine Skills an der Halfpipe. …geraucht wird hier auch so einiges, außer die pipe, aber das wusste ja der Künstler in uns schon im Vorhinein „c ´est n ´est pas une pipe“ … wo wir dann wieder bei diesem einen Buch wären von dem wir es schon in Amsterdam hatten…

 

Wir genießen die Zeit am Strand, die einen werden zu Krebsen und ich werde kurz männlich und spiele toter Mann im Meer. Über mir der blaue Himmel und die Möwen geben einem das Gefühl von wahrem Urlaub. 

 

herzchen.

Amsterdam

17Juli2014

Es wimmelt. Es wimmelt nur so vor Menschen und Rädern und Menschen auf Rädern und da die Holländer das alle so gut können, zum Glück nicht Räder auf Menschen … 

Amsterdam, my lovely town, mit deinem vielen Wasser und den schiefen Häusern, mit den vielen Rädern und den tausenden Geschäften, du bist, trotz deiner vielen Tauben, einfach wunderschön.

 

Amsterdam wickelt einen schnell um den Finger. Es entlässt einen auch nicht eher aus der Schlinge, bevor man nicht stundenlang durch die schmalen Gassen schlendert, die Grachten rauf und runter geht und wieder rauf und runter, bis man dann endlich genau die Bank und den Eingang und die Straßenlaterne neben genau der Bank gefunden hat, auf denen manch ein Filmstar schon gesessen ist. Aber das Schicksal ist ein Mieser Verräter und Amsterdam hat wohl unendlich viele Bänke an unendlich langen Kanälen und unendlich vielen Brücken. Deswegen müssen wir noch ein bisschen weiter suchen gehen. Könnte also auch passieren, dass wir uns in der Stadt ein bisschen verlieren. Amsterdam lässt einen nicht los und zwingt einen fast schon die vielen Geschäfte zu erbummeln, auf den vielen Märkten zu schlendern und an den immer wieder kommenden Ständen stehen zu bleiben, man kann gar nicht anders. Auch wenn es einige Secondhand No Gos gibt, wie Schlafsack, Kuscheltier oder aber auch Unterwäsche, Sachen gibt´s, die gibt es ja gar nicht, schließlich und endlich findet jeder irgendwann etwas für sich. Wir kaufen alte Büchsen und neuen Kleinkram. 

 

Amsterdam ist wohl eine Stadt für alle Sinne. Nicht nur sehenswert, sondern auch geruchsmäßig. Auch geschmacklich kommt man auf den Genuss. Ich habe schon lang nicht mehr so viele Imbissbuden, Restaurants und Bars gesehen wie hier. Einfach überall. Ganz vorne mit dabei: die Argentinier. Überall gibts deren Steaks und Burger und Restaurants. Aber wenn es schon beim Fußball bisschen hakt, kochen könne sie schon mal, das haben wir getestet. 

Als wir am Rembrandtplatz in eine der Bars einfallen, wird schnell klar, auf welcher Seite die Bar steht: Deutschland. Nur Deutsche hier! Ganz im Gegenteil zu den Nachbarn: Nur Argentinier. Umso schöner war das gegenseitige Hochschaukeln bei Abseitstoren und Fouls - richtig schön!

Wir essen Krokett aus dem Automaten - nun ja, und die besten Pommes der Stadt - nomnom. Schlafen tun wir diesmal in einem privaten Zimmer bei einer supersüßen Dame, die uns am ersten Morgen erst mal Frühstück macht. 

 

Wir genießen noch ein bisschen die Zeit unterhalb des Meeresspiegels, bevor wir dann ans Meer fahren und nach schauen, ob es denn noch da ist. 

 

herzchen.

Hamburg

15Juli2014

...ist sicherlich auch eine schöne Stadt aber nicht so super wie Kopenhagen, tut mir leid. Aber manchmal ist es eh egal, wo man ist, wenn man einfach die richtigen Menschen um sich hat. Wir treffen auf jemanden, der weiß, wie man Ironie umbringen geht, nämlich in dem man … ja genau! (das ist ein Insider, der wohl nur einen Menschen weltweit zum Lachen bringen kann, aber das ist gut so, deswegen heißt es Insider.) 

 

Hamburg verwirrt mich etwas. Überall deutsch und Deutsche und Deutschland und man denkt sich die ganze Zeit: Oh! Deutsche! Was Besonderes! Und dann: ah, ne, alle gleich hier. Ich beiße mir oft genug auf die Zunge, weil ich vergesse, dass mich wieder alle verstehen. Andererseits ist das auch Training für das Selbstbewusstsein. Aber es kommen auch wieder die Dinge, die man lieb gewonnen hat, wie Apfelsaftschorle und Laugenbrötchen. Wir essen günstiges Eis am Stiel, sitzen in der ungewohnt konstant heißen Sonne und beobachten, wie es immer früher dunkel wird. Wir lassen uns vom Inder Guriguri nennen, bekommen erklärt dass man in Deutschland Tschüss sagt und ich weine immer noch ein wenig meinem hej hej hinter her. Aber Hamburg ist auch wahnsinnige Vorfreude auf nach Hause!

 

Hamburg war ein bisschen Urlaub vom Urlaub, ein bisschen Heimatgefühl durch ganz unterschiedliche Auslöser.

 

herzchen.

Kopenhagen

14Juli2014

Ich liebe Kopenhagen. Ich liebe, liebe, liebe Kopenhagen! Das ist so eine Stadt, bei der man aus dem Bahnhof kommt und denkt: Oh wie schön. Das könnte auch noch so hässlich sein, wie an den meisten Bahnhöfen der meisten Städte, aber es gibt einfach Orte, an denen man spürt: hier gefällt es mir. Und so einer ist Kopenhagen. 

 

Es war ja nicht mein erstes Mal, vor allem aber auch nicht mein letztes Mal in Kopenhagen. So konnte ich es ein bisschen verkraften vollkommen ausgeknockt den ersten Nachmittag in unserer gemieteten Privatwohnung mit schlafen zu verbringen. Erkältung ist manchmal einfach echt Endgegner. 

 

Wir schaffen es allerdings noch unser Viertel anzuschauen und erkunden die vielen internationalen Geschäfte, die vor allem Döner, Frisuren und neue Smartphonescheiben an den Mann und die Frau bringen wollen. Aber es gibt auch jede Menge andere Geschäfte und Restaurants. Man hätte vorne anfangen und hinten aufhören können und sich einmal fett durch essen können, herrlich! 

 

In Kopenhagen ist alles auf dem Rad. Mutter, Kind und Kegel und die Freundin wird vom Freund vorne in der Kiste herum chauffiert. Das Leben findet auf der Straße statt. Jeder Zweite isst hier frische Erbsen und pult an dem jungen Gemüse herum. Alles ist entspannt und das Leben schön. In Kopenhagen ist normal ein bisschen anders als sonst. Es ist normal, auf dem Friedhof neben Hans Christian Andersen zu picknicken und sich zu sonnen. Es ist auch ganz normal, zwischen Aldi und dem Nachbargebäude die Freifläche zu okkupieren und einfach mal Radieschen und Möhren in freier Wildbahn anzubauen. Nutzt ja sonst keiner. Und das gefällt mir so. In Kopenhagen fährt auch einfach mal einer sein Klavier an die nächste Straßenecke und spielt seine Lieder.

 

Kopenhagen ist eine Stadt in der man Boot fährt und am Wasser entlang läuft. In der man immer wieder neue Gebäude und schöne Architektur entdeckt. Ich hätte wochenlang dort bleiben können, aber die Sprache lässt das nicht zu. Nein, Scherz. Ich mach mich nicht darüber lustig, aber mein Schwedisch vermisse ich in diesen Tagen schon ein wenig. Leider raubt uns die Deutsche Bahn die Hälfte des letzten Tages. Unsere Schienen in Richtung Deutschland wurden leider abgebaut und somit unser Zug auch einfach mal entfernt. Wir müssen leider sehr viel früher und im Stress alles packen und die Stadt verlassen. Aber unsere Ziele sind ja der Deutschen Bahn ihr Antrieb und so kommen wir dann sehr spät irgendwann in Hamburg an. Unsere Ziele müssen also echt low sein, denn der Zug braucht lange. Sehr lange. Aber Vorfreude ist ja bekanntlich die liebste Freude. 

 

Nach elf Monaten das erste Mal in Deutschland sein, fühlt sich zunächst einfach ungewohnt an. Jeder versteht dich und die Bahnansage am Flensburger Hauptbahnhof macht es auch nicht besser. Ich esse erst mal ne wuRst zur Beruhigung und dann fahren wir Richtung Hamburg bisschen Deutschland anschauen.

 

herzchen.

Couchsurfen - Eine Erfahrung wert

07Juli2014

Um stolz wie Oskar sein zu können, muss man in Oskarshamn wohl einiges von allem haben. Die Stadt hat genau das, was in ihrem Namen drin steckt:einen Hafen. Ansonsten: Nichts. Und sicherlich irgendwo auch noch einen Oskar, der stolz wie sich selbst mit seinem durchaus übertunten Auto durch die Gegend düst. Da können die goldenen Felgen schon mal durch drehen. Der Grund, wieso wir uns eines schönen morgens, es war der Freitag, dort hin „verirrt“ haben, war dass das eigentlich nur der Anleger der Fähre von Visby war. Und eins sollte gesagt sein, wenn du um 12:00 mittags in Oskarshamn ankommst, heißt das noch lange nicht, dass dein Reisetag gerade angefangen oder aufgehört hat. Oh nein, da kamen wir erst so richtig in Fahrt. 

 

Da in Oskarshamn einen wirklich nichts hält, auch nicht der Stolz, nehmen wir früher als geplant den Bus. Da ist alles all in clusive, sogar die Erkältung! (Jackpot! Aber ich gebe sehr gerne Erspartes in Medikamente aus, also alles kein Problem.) 

Das Problem jedoch an Schweden ist, und das sagen wirklich die Einheimischen, dass es außer Stockholm, Malmö und Göteborg, kaum andere schöne Städte gibt. Das hat man ja an Oskarshamn sehr gut gesehen! Aber wie gut, dass wir zu einen der Dreien unterwegs sind, nämlich Göteborg. 

Ganze 12 Stunden später und ohne Stimme landen wir in Göteborg. Ich habe noch nie in so kurzer Zeit, die wir am Bahnhof stehen, so viele komische Menschen gesehen. Wir heimsen einen Stinkefinger auf unserer Beliebtheitsskala (wir haben echt nichts gemacht, nur interessiert geschaut, warum man ein Tuch mit aufgemalten Gruselzähnen vor dem Mund trägt) ein und fahren dann zu unserem Gastgeber. 

Da wir ja arme Schlucker sind und wir uns ein Hilton nur über Paris als billigen Track oder so leisten könnten, nehmen wir die sportlichere Variante und surfen die Couch. Und das auch noch bei einem der coolsten Typen überhaupt. Milkman macht seinem Namen alle Ehre. Im Kühlschrank  seiner Drei - Zimmer - Wohnung stapeln sich zwanzig Liter Milch in Zweiliterkanistern. Der weiße Faden geht im Wohnzimmer weiter, als eine Girlande aus 40 (ohja) Kanistern, die an der schon etwas gelblichen Wand hängen. Sehr cooler Typ, der Gute. Aber nicht nur Milch in Massen, sondern auch Couchsurfer. Wir sind nicht die Einzigen und werden auch nicht die Letzten sein. 

145, das ist meine Nummer. 145 Couchsurfer hatte Milkman in einem knappen Jahr. Es scheint schon fast wie eine Sucht. Innerhalb unseres Aufenthalts von drei Nächten lernen wir neun verschiedene  Backpacker kennen. Die Spannweite reicht von Kanada über USA, Norwegen bis hin nach Rumänien. 

Ein wichtiger Aspekt des Couchsurfens ist das Teilen. Und zwar Alles. Nicht nur Bad und Bett sondern auch deine Geschichten. Und manchmal denkt man sich so: ich bin so langweilig. Ich habe weder auf einer Farm gearbeitet, noch war ich vier Monate mit sonstigen Hippies im Wald um ein Paradis (ich hab leider nicht herausgefunden woraus genau das bestand…) zu erbauen, noch habe ich die Ambition vor meinem dreißigsten Lebensjahr 100 Länder zu bereisen. Noch viel schlimmer: Ich kann auch noch nicht vorzeigen, dass ich bereits in 60 Ländern gewesen bin. Aber, denkt man sich dann: will ich das? Bin ich das? Und dann kommt man schnell dazu, dass man auch am reisen ist, dass man auch sehr schöne Zeiten hat und dass man vielleicht nicht unbedingt ein Paradis mit Hippies bauen will. 

❤️

 

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